Kreditklemme konkret: Der Schwierige Versuch eines Kleinunternehmers, von Banken Geld zu bekommen…..
So titelte der Weserkurier in seiner Ausgabe vom 04. Dezember 2009. Zusammenfassend ging es mit folgendem Zitat von Mark Twain weiter: “Bank = eine Einrichtung, von der Sie sich Geld leihen können, vorausgesetzt Sie können beweisen, dass Sie es nicht brauchen.
Damit wäre zu dem Artikel eigentlich schon alles gesagt. Denn laut unseren Banken gibt es keine Kreditklemme, es wurde ja in 2009 sogar mehr Geld in den Verkehr gebracht, als 2008. Das dabei nicht ausgenutzte Kreditlinien von Groß- und Multinationalen Unternehmen ebenso mit einbezogen sind, wie wieder steigende Boni im eigenen Haus, wird kurzfristig vergessen.
Werner Scholz ist das postive Muster eines kleinen bodenständigen Selbständigen. Er hat in den fast dreissig Jahren seiner Selbständigkeit schon viele Höhen und Tiefen gemeistert. Hat sich nicht unterkriegen lassen und ist nicht abgehoben. Die Firma expandierte, man gewann neue Kunden und alles lief gut. Und dann kam das Jahr 2009. Als vernünftiger Kaufmann bemerkte er, dass die Umsatzwerte nicht mehr passen und auch die Kunden liessen durchblicken, dass sie die Aufträge ein bischen strecken müssen.
Nun lässt sich die Gruppe der Unternehmer grob in zwei Kategorien einteilen: 1.) Unternehmer und 2.) Unterlasser = wir stecken den Kopf in den Sand.
Herr Scholz gehört zur ersten Gruppe. Problem erkannt, Gefahr gebannt. Flugs zu seiner Hausbank gegangen, schließlich heißt diese nicht umsonst Hausbank und durfte neben reichlich Zinsen in den letzten Jahren auch ein makelloses Zahlungsverhalten von Herrn Scholz attestieren, und die Verlängerung seiner Kreditlinie um 30.000€ gebeten, bis der Markt sich wieder beruhigt hat. Dann kam ein in diesem jahr wahrscheinlich häufig gehörter Satz: “Tja Herr Scholz, ich hätte ja, aber unsere Direktion, unser Credit Controlling, unser Vorstand, etc. pp., hat Ihren Wunsch leider abgelehnt.
Bleibt festzustellen: Für eine Bank ist das Zocken an Finanzmärkten immer noch lukrativer als die klassiche Aufgabe. An der Marge kann es kaum liegen, so war es möglich Fremdkapital für einen Prozentpunkt einzukaufen und dementsprechend teuer an die Kunden als Kredit weiterzuverkaufen. Diese Marge hätte ich im Bereich IT auch gerne.
Dann aber das Licht am Horizont: Die Bremer Förderbanken und das RKW helfen Mittelständlern und dass innerhalb von acht Tagen. Gut dass Herr Scholz Unternehmer ist, so wusste er schon von Anfang an, dass er alleine acht Tage benötigen würde, um die angeforderten Papiere, Unterlagen, Prognosen und Testate zu studieren. Das heißt am Ende hat der Unternehmer vielleicht einen Kredit, benötigt diesen jedoch nicht mehr, da er sich nicht mehr um sein Unternehmen kümmern konnte, weil er ja Formulare über Formulare ausfüllen musste, und wehe dabei entsteht auch nur ein Flüchtigkeitsfehler.
Nur noch einmal zur Erinnerung: Es handelte sich um 30.000€. In den Augen von Herrn Ackermann wohl noch weniger als Peanuts, wahrscheinlich eher die Hülsen selbiger.
Nun kam aber in diesem verregneten Sommer doch noch einmal Fortuna zum Vorschein und Herr Scholz erhielt einen Tip zu einem Unternehmensberater, welcher sich auf seine Branche spezialisiert hat. Dieser begab sich fortan ans Werk und erstellte Pläne, Prognosen, Testate, etc. pp. Das einzige Problem: Man kann eine Vita haben exzellent wie von Adel, wenn jedoch das RKW den Berater nicht anerkennen will, dann will es nicht. Aber auch diese Hürde ließ sich meisterlich überwinden. Somit war also alles gut. Die Anträge waren korrekt ausgefüllt und gestellt und Gott sei Dank hat der Herr Scholz sich schon in frühen Jahren eine zweite Bankverbindung zugelegt. Diese zweite Bank hatte auch gar keine Probleme seinen Antrag einzureichen. Die Genehmigung dieses ist dann im Endeffekt nur noch eine Formsache.
Also Ende gut, alles gut?
Nein mitnichten, denn der exzellente Berater will natürlich auch noch sein Geld haben. Im Fall von Herrn Scholz sind dieses eben mal 20.000 Euro. Damit verdoppelt sich der Kreditbedarf mal eben nahezu. Nichts gegen den Berater, schließlich hat dieser Herrn Scholz geholfen und wahrscheinlich dafür gesorgt, dass die Unternehmung in 2010 wieder so gut läuft wie schon in 2007. Traurig ist nur, dass diese Berater von der Bank gewünscht werden, häufig sogar empfohlen werden und Herr Scholz zu der schwierigen wirtschaftlichen Situation nun noch weitere 20.000 Euro abbezahlen darf, welche schlicht unnötig sind.
Und so sind wir wieder bei mark Twain, oder: “Wenn du willst, dass dir geholfen wird, dann hilf dir selbst.
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